Webdesigner haften für Urheberrechtsverletzungen ihrer Kunden

© Depositphotos / Jirsak

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Richtungsweisendes Urteil für Webdesigner. Bei einem Fall vor dem Amtsgericht Oldenburg haben die Richter entschieden, dass Webdesigner die Inhalte ihrer Kunden auf Urheberrechtsverletzungen prüfen müssen. Geschieht dies nicht, können sie bei Abmahnungen für die Kosten haftbar gemacht werden.

Kartenausschnitt als Streitgegenstand
Im betroffenen Fall hatten die Besitzer eines Seniorenheims einen Webdesigner mit der Erstellung einer Webseite beauftragt. Um die Anfahrt zu Residenz zu beschreiben, nutzte der Kunde einen Kartenausschnitt und übersandte das Bild an den Designer. Dieser nutzte das Bildmaterial bei der Erstellung der Seite. Eine Prüfung auf eine mögliche Urheberrechtsverletzung nahm er dabei nicht vor. Die Webseite ging online und irgendwann meldete sich der tatsächliche Urheber der Karte und mahnte die Betreiber des Seniorenheims ab. Diese zahlten den fälligen Betrag, verlangten jedoch im Anschluss, dass der Webdesigner die Summe erstattet. Der Fall musste schließlich vor Gericht entschieden werden, wobei die Richter sich am Ende ganz klar positionierten.

Material muss geprüft werden
Letztendlich stellten sich die Richter des Amtsgerichts Oldenburg auf die Seite des Seniorenheims und verurteilten den Webdesigner zu einer Erstattung der Abmahnkosten. Nach der Ansicht des Gerichts sei dieser gemeinsam mit dem Seniorenheim als Gesamtschuldner für entsprechende Urheberrechtsverletzungen verantwortlich. Das Seniorenheim trifft zwar ebenfalls eine Mitschuld, da sie die Karte zur Verfügung gestellt hatten, der Webdesigner habe jedoch ebenfalls eine Verantwortung zu tragen. Übersandtes Material von Kunden müsse auf das Urheberrecht geprüft werden, andernfalls kann der Webdesigner für entstandene Abmahnkosten ebenfalls haftbar gemacht werden.
Das Argument, dass anhand des Bildes nicht erkennbar war, dass es sich um urheberrechtlich geschütztes Material handelte, wollte das Gericht nicht gelten lassen. Für sie war der Kartenausschnitt eindeutig als eine Kopie zu erkennen. Im Anschluss betonte das Gericht noch einmal, dass es im Aufgabenbereich der Webdesigner liegt, eine rechtlich einwandfreie Seite zu erstellen. Eine Webseite, die gegen das geltende Recht verstößt, ist nicht allein das Problem der Betreiber.

Möglichkeiten zur Absicherung
Für Webdesigner bedeutet das Urteil aus Oldenburg vor allem mehr Sorgfalt. Wer von seinen Kunden Bilder, Texte oder anderes Material erhält, der sollte dies fortan sehr genau auf mögliche Urheberrechtsverletzungen prüfen. Vor allem Bilder bergen viele Gefahren, da es Kanzleien gibt, die sich auf das Abmahnen von unerlaubter Nutzung von Stockfotos spezialisiert haben. Es muss daher immer überprüft werden, ob eine Erlaubnis des Urhebers oder eine entsprechende Lizenz vorliegt.
Alternativ können Webdesigner die Nichthaftung für Urheberrechtsverletzung aber auch in den Verträgen mit den Kunden festhalten. Dies ist beispielsweise in den AGBs aber auch über eine Klausel im Vertrag selbst möglich. Sicherheitshalber empfiehlt es sich aber, darüber mit einem Anwalt zu sprechen. Die Klausel muss einwandfrei und rechtlich korrekt formuliert sein, um spätere Abmahnprobleme zu vermeiden.


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